Entenleber, Trüffel, Steinpilze, Ziegen- und Schafskäse, gefüllter Gänsehals, Kastanien, Walnüsse, gerbstoffreiche Rotweine, edelsüße Weißweine.... Natürlich ließen sich so ? oder ähnlich ? die offensichtlichen Erwartungen an einen kulinarischen Aufenthalt im Perigord beschreiben.
Und natürlich werden diese Erwartungen auch mehr als erfüllt. ?Foie Gras? steht auf jedem dritten Schild am Wegesrand. Das stimmt zwar nicht wirklich, allerdings bleibt ein solcher Eindruck zurück, fährt man die gut ausgebauten, sich unendlich durch die waldreichen Landstriche hinschlängelnden Nationalstrassen entlang. Die Bauern betreiben zu einem Großteil bis heute familiäre landwirtschaftliche Betriebe. Wo kein Wein gedeiht, findet man Walnussbäume, Kastanienwälder, Mais und Tabak. Mit dem Mais werden die Tiere gefüttert. Für den Tabak zahlt die EU gute Subventionen ? und die französischen Zigarettenraucher sind´s gewohnt...
Was aber nach den ersten Eindrücken, die wie gesagt, die Erwartungen vollends erfüllen, vor allem bleibt, ist ein Erstaunen über die Naturgewalt dieser Landschaften. Es sind vor allem die Wälder, die zum Teil tief eingeschnittenen Täler und die Tatsache, dass das Perigord dünn besiedelt ist, die nach wenigen Tagen einen tiefen Eindruck erzeugt. Man kann tatsächlich sehr lange auf den Straßen mit dem Wagen die Gegend erkunden oder zu Fuß auf den Wegen durch die Wälder und über die Hügel wandern, ohne einer Menschenseele zu begegnen. Das dabei aber kein Gefühl von Einsamkeit entsteht, ist der Tatsache geschuldet, dass nach einer gewissen Zeit sich die Zivilisation zurückmeldet. Noch das kleinste Örtchen strahlt eine gewisse Urbanität aus. Das sind zwar kleine Orte und Dörfer, aber zumeist keine ?Käffer?. Man kann sich gut vorstellen, einige Tage in einem der kleinen Orte zu verbringen. Dank der gut ausgebauten Struktur von Angeboten an Fremdenzimmern und der französischen Form von Ferien auf dem Bauernhof, ?Auberge de Ferme?, ist dies auch kein kühnes, sondern ein eher leicht zu bewerkstelligendes Vorhaben.
Das angelbich auch im kleinsten Dorf erstklassige Gastronomie zu finden sei, scheint zwar übertrieben. Wer allerdings den Auftrag erhielte, innerhalb von 12 Monaten eine umfassende Beschreibung der ländlichen Gastronomie aufzuschreiben, dem wäre eine Verlängerung garantiert. Das ist im Lauf eines Jahres wohl kaum zu schaffen. Die Qualität der Produkte ist ungeheuer und die der Gastronomie (fast) immer gut ? einige Male sogar ganz ausgezeichnet.
Der Herbst ist die Jahreszeit, die die Grundstimmung dieser Landschaft am besten unterstreicht. Das Laub der Wälder verfärbt sich. Die Sonne taucht die Landschaft in ein manchmal fast kitschig anmutendes goldenes Kleid (woran man wieder erkennen kann, wiesehr unsere Wahrnehmung von Naturschönheit durch Postkartenidylle vernnebelt ist) und die Temperaturen sind mehr als einladend um sich den ganzen Tag im Freien aufzuhalten. Und so sollte das Perigord auch erkundet werden: möglichst viele Strecken zu Fuß und möglichst lange an der freien Luft. Und natürlich ist es auch gewiss nicht unpraktisch, dass der Herbst zugleich Trüffelzeit ist...
Ausflüge und Besuche in einzelne Orte und Landschaften kann man sich hier für Jahre vornehmen. Hier nur ein kleiner Ausschnitt:
Auf einem Bergmassiv und mit traumhaftem Ausblick auf das Dordogne-Tal liegt Dome, eines der schönsten mittelalterlichen Städtchen Frankreichs. Der Stadtkern ist vollständig erhalten und äußerst malerisch. Kein Wunder, dass die Hauptstrassen auch deutlich zeigen, dass der Tourismus hier keine Neben- sondern Hauptsche ist. Aber ? und hier haben wir wieder einen Vorteil des Herbstes ? im Oktober werden Sie keine Menschenmassen vorfinden und die Einheimischen sind sehr gelassen.
Unweit dieses Kleinodes liegt einer der späktakulärsten Ortschaften der Gegend: La Roque-Gageac. Dieser Ort zieht sich über einige hundert Meter entlang des an dieser Stelle sehr engen Flusstales und türmt sich quasi den steilen Felsen hoch. Die Häuser sind teils direkt an den Felsen gebaut, teils sind sie in den Felsen gehauen.
Bietet ein Spaziergang an der Flusspromenade entlang einen Gesamteindruck, so erhält man erst dann einen realistischen Eindruck von dieser Ortschaft, wenn Sie einen der steilen, durch Treppenstufen erschlossenen Weg an den Felsen lang wagen.
Wenn Sie diese Wege in Richtung der alten Kirche entlanggehen, werden Sie über die prächtigen, wenn auch winzig-kleinen Gärten staunen und vor allem über die Vegetation, die fast schon tropisch ist. Sie werden nicht schlechtg staunen, wenn Sie einer riesigen Bananenstaude mit Blüte begegnen.
Am Flussufer sollten Sie im übrigen unbedingt am Abend einen kulinarischen Termin ausmachen: Reservieren Sie einen Tisch in der ?Auberge La Plume d´Oie?. Ein kleines Restaurant mit gemütlichen Salon und einigen wenigen Zimmern. Die Karte verspricht eine klassische Regionalküche und eine kleine aber gute Auswahl an Weinen der Region. Erstaunt ist man das erste Mal im Gespräch mit Madame, die sich als seit 30 Jahren im Perigord hängen gebliebene Holländerin entpuppt. Das zweite Hallo kommt beim Essen, das vorzüglich ist und der Tatsache, dass der Koch (der Ehemann der Holländerin) sich als Engländer enttarnte. (Auberge La Plume d´Oie, in La Roque-Gageac, Ruhetage Sonn- und Montag, Tel 05 53 31 04 81) (Foto)
Wenn Sie von dort aus ca. 30 Minuten der Nationalstrasse folgen, können Sie Mittwochs, aber vor allem Samstags, einen Wochenmarkt erleben, wie ihn auch verwöhnte Münsteraner nicht kennen. Dieser Wochenmarkt befindet sich in Sarlat le Caneda. Dies ist eine Stadt, die über einen vollständig erhaltenen, sehr gut restaurierten Rennaissance-Altstadtkern verfügt. Sarlat lohnt sich an allen Tagen der Woche. Aber wenn dort Markt ist, werden alle Sinne angesprochen.
Natürlich finden Sie dort sowohl Entenleber (in allen Variationen von frisch bis zur Konserve), Enten- und Gänse frisch geschlachtet. Aber eben auch die Karkassen der Tiere für kleines Geld und Pilze, Würste, Käse, Fische, Kastanien, Walnüsse.... Es ist ein echtes Ganzkörpererlebnis, dass Sie nicht versäumen sollten (Marktfotos).
Nach dem Markt locken natürlich viele Restaurants. Hier seien nur Zwei (aus einer viel größeren Zahl) empfohlen: Présidial und Quatre Saisons. Beide Restaurants bieten eine Regionalküche auf höchstem Niveau.
Roccamadour ist zwar ein ganzes Stück zu fahren, aber der Ort ist nicht umsonst berühmt (und auch nicht erst in unserer Zeit). Er liegt wirklich atemberaubend. Allerdings braucht man auch nicht mehr als einen kurzen Besuch einzuplanen. Schon seit dem Mittelalter ist dies wohl ? wir würden heute sagen: Disneyland ? vor allem ein Ort, an dem früher Pilger, heute Touristen, Nippes angedreht bekommen. Allerdings sollte man den Aufstieg auf die Burg keinesfalls verpassen und dort die wirklich bezaubernde Kapelle besuchen.
Ein etwas längerer Besuch lohnt sich hingegen in Puy ?L´Éveque am Fluss Lot. Der historische Stadtkern, unterhalb der modernen Stadt am Flussufer gelegen, ist sehr malerisch und lädt zu Spaziergängen durch die engen Gassen ein. Vor allem aber ist dies der Heimatort eines der besten Weinbaubetriebe des Anbaugebietes Cahors. Sie sollten während Ihres Urlaubes unbedingt die gehaltvollen und feinen Rotweine vom Clos Triguedina probieren. Sich ernsthaft mit den Weinen aus dem Cahors aber auch aus Monbazillac und Bergerac auseinanderzusetzen dürfte einen weiteren Aufenthalt lang kaum ausreichen.