Menüvorschlag verschicken Das Küchenlexikon Küchenkalender - was hat gerade Saison Vom Essen gezeichnet - satirische Zeichnungen E-Cards Einkaufszettel per MailInfos für Verbraucher
Futter fürs Volk - Sozialdemokraten haben die besseren Rezepte

Delfter Blau und französische Küche

Synonym für eine Stadt: Blaue Kacheln. Im Innenhof des Museums Prinsenhof türmen sie sich zu einer Skulptur. Foto: ArcaisSynonym für ein ganzes Land. Holland ist eine Gracht. Besonders schöne Exemplare finden sich auch in Delft. Foto: ArcaisStereotyp: Niemand in Holland hat Gardinen vor den Fenstern. Hier stimmt´s. Foto: ArcaisEin weiteres Stereotyp: In Holland kann man nicht gut essen. Hier stimmt´s nicht: Das sehr gute Restaurant Begegnen einem öfter im Stadtbild: Hinweise auf den Delfter Maler Jan Vermeer. Foto: ArcaisDas ehemalige Zeughaus, Sitz der Ostindischen Kolonialgesellschaft, beherbergt heute ein Wappenmuseum. Foto: ArcaisGute Adresse und mittendrin. Das auf drei Gebäude verteile Museumshotel. Foto: ArcaisDie Delft hat kulinarisch einiges zu bieten. Beispielsweise das Restaurant Orage. Foto: ArcaisKulinarisch der Höhepunkt in Delft: Im Garten des Restaurants

1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 



Was fällt Ihnen zu Delft ein? Für die meisten Menschen steht der Name für blaue Kacheln. Nicht für irgendein Blau, sondern für ?Delfter Blau?. So weit, so gut. Damit ist klar, dass wir uns in den Niederlanden befinden. Was fällt Ihnen noch ein? Klar doch: Grachten und Gardinenlose Fenster. Auch davon hat Delft reichlich. Natürlich haben viele alte Städte in den Niederlanden Grachten ? das Land ist nun mal in weiten Teilen dem Wasser abgerungen. Aber deshalb sehen noch lange nicht alle Städte gleich aus. Und hinter den zugegebenermaßen mehr als häufig anzutreffenden Gardinenlosen Fenstern sind natürlich keine musealen Puppenstuben zu finden, sondern Wohnungen, deren Bewohner es sicher zu schätzen wissen, wenn wir Touristen den Blick beschämt aus ihrem Zimmer wieder Richtung Gracht wenden.

Delft war einmal eine sehr reiche Stadt. Arm ist sie wohl auch heute nicht. Reich ist sie auf jeden Fall an historischer Architektur und an vielfältigen Zeugnissen einer Kultur, die vom Handel lebte und deren Verbindungen nicht an den Grenzen des kleinen Staates der Niederlande Halt machten. Ihre Blütezeit erlebte die Stadt im sogenannten ?Goldenen? 17. Jahrhundert.
Aus dieser Zeit stammt der Großteil des historischen Ensemble von Giebelhäusern, dem Himmel sich emporstreckenden imposanten Kirchen und Baumbestandenen Grachten. Das Delfter ?Stadthuis?, um 1300 erbaut, erlebte im 17. Jahrhundert einen dem Reichtum seiner Bauherren, also der Bürger der Stadt Delft, angemessenen prunkvollen Umbau und Vergrößerung mit einem wirklich imposanten Giebel.

Geschichtsträchtig ist vieles in der Altstadt von Delft. Die Oude Kerk am Heile Geesterkerkhof beispielsweise. Ihre Glocken läuten nur noch anlässlich des Begräbnisses eines Oraniers, also eines Mitglieds der Königsfamilie. Begraben sind in ihr allerdings keine Mitglieder dieser Familie, wohl aber der berühmteste Sohn der Stadt, der Maler Jan Vermeer.
Die Nieuwe Kerk, gegenüber dem Stadhuis auf dem Markt gelegen, beherbergt die Gräber aller Königinnen und Könige des Hauses Nassau-Oranien, immerhin 41 an der Zahl.
Der Prinsenhof, heute ein Staatliches Museum für die niederländische Malerei des Goldenen Jahrhunderts, war der Ort, an dem der Stammvater dieses Geschlechtes, Prinz Wilhelm von Oranje, ermordet wurde. Am 10. Juli 1584 wurde ihm dort in den Kopf geschossen, nachdem ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt wurde. Die Einschusslöcher können heute noch dort besichtigt werden.
Unweit des Prinsenhofes findet sich ein Gebäude, das heute ein Wappenmuseum beheimatet, und dessen Eigentümer und Nutzer im 17. Jahrhundert zu den weltweit einflussreichsten Menschen gehörten. Ihre Unternehmung war nicht nur eine Handelsgesellschaft sondern ebenso ein frühes Instrument der Kolonialisierung. Die ?Ostinidische Kompanie? hatte ihren Sitz im ?Zeughaus?, das sich an der größten und ältesten Gracht Delfts, der ?Oude Delft? befindet.
Und hier kann ? um die historische Betrachtung abzuschließen ? der Kreis zum Beginn des Textes geschlossen werden. Das Wirken der Ostindischen Kompanie war es, das zum ?Delfter Blau? und den Delfter Kacheln führte:

Als die Ostindische Kompanie Anfang des 17. Jahrhunderts chinesisches Nanking-Porzellan aus der Wan-Li-Zeit nach Europa transportierte, war dies ein großes Geschäft. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts stockte dieses Geschäft, die Transporte wurden immer rarer ? die Nachfrage allerdings war mit der Zeit ungleich größer geworden.
Damit schlug die Zeit der Delfter Kacheln. Das Geschäft begann als frühe Form einer ?Raubkopie? ? also genau das, dessen man heute die Industrie Chinas beschuldigt. Welch Ironie der Geschichte. Die Manufakturen in Delft verlegten sich darauf, ihre Tonwaren so zu glasieren und zu bemalen, dass sie dem chinesischen Porzellan so ähnlich wie möglich schienen. Anfangs müssen noch reichlich rohe Kopien dabei herausgekommens ein. Mit der Zeit allerdings erreichten diese Kopien eine so hohe Qualität, dass es den Delftern gelang, den Ton des chinesischen Porzellans fast mustergültig nachzuahmen.
Diese Arbeit hatte ihre Blüte vom 17. bis ins 19. Jahrhundert. Nach und nach wurden aus den vormaligen Raubkopien und späteren Qualitätskopien eigenständige Originale, die nicht mehr mit dem eigentlichen Zweck ihrer Entstehung in Verbindung gebracht und mit dem vormaligen Original nicht mehr verglichen wurden. Man sprach danach nur noch von ?Hollandse porceleyn?.

Wer heute an den vielen Geschäften auf und rund um den Neuen Markt vorbeischlendert, in denen angeblich originale Delfter Kacheln angeboten werden, der kann sich kaum vorstellen, dass tatsächlich dieses ?Delfter Blau? einmal die berühmteste Fayence des Abendlandes war. 90% der Kacheln, die Sie heute in Delft (und anderswo) kaufen können, dürften aus Taiwan und Korea stammen. In Delft selbst ist von den einstmals mehr als 30 Manufakturen noch eine einzige übrig geblieben, die heute noch Delfter Kacheln in traditionellen Verfahren produziert: ?De Porceleyne Fles?. Einen ganzen Berg dieser Delfter Kacheln kann in der Altstadt betrachtet werden: Wer im Garten des Prinsenhofes spazieren geht, der trifft unweigerlich auf eine mehr auf auffällige Skulptur. Eine monströse Form, irgendwas zwischen Thron und Müllkaufen darstellend, komplett gestaltet mit Delfter Kacheln. Eine Hommage an eine vergangene Kunst.

Wer in Delft auf der Suche nach kaufbaren, hochwertigen Gegenständen des Kunsthandwerks ist, der muss sich Sachverstand anlesen, um tatsächlich ?echte alte? Delfter Kacheln zu finden und sich nicht durch die Fülle des Angebots von künstlich gealterten Kacheln übers Ohr hauen zu lassen.

Ein anderes altes Handwerk hat eine Kunsthistorikerin aus Delft wieder aufleben und zur Blüte gedeihen lassen: Das Weben von Leinen. In ihrem kleinen Laden an der Verwersdijk 6 in der Altstadt von Delft bietet Sanny de Zoete Tücher, Kleider, Bett- und Tischwäsche aus Leinen in einer herausragenden Qualität an. Die Dekors sind sowohl historisch als auch für die eigene kleine Produktion bei gegenwärtigen Künstlerinnen und Künstlern in Auftrag gegebene Formen.

Den größten Aha-Effekt erzielt allerdings die Gastronomie in Delft. Denn eines ist auch klar: Keine der Städte Niederlands steht im Ruf aufgrund ihres kulinarischen Angebotes eine Reise wert zu sein. Delft bildet dabei keine Ausnahme. Aber diese Stadt ist auch alles andere als die Fritten gewordene Vorstellung vom Festschmaus.
Es fäll beim Bummeln durch Delft schnell auf, wie ?jung? diese alte Stadt ist. Sie wird von vielen jungen Menschen bevölkert, die das Straßenbild weitgehend prägen. Das liegt natürlich an der Universität, die eine permanente Verjüngungskur bewirkt. Und es fällt ebenfalls auf, wie intensiv das Leben auf den Straßen und Plätzen tobt. Es wimmelt geradezu von Straßencafés, Kneipen und Restaurants, die ihre Tische nach Draußen stellen. Abendliches Flanieren in der Altstadt bekommt, das entsprechende Wetter vorausgesetzt, etwas mediterranes. Nun wollen wir zwar nicht übertreiben. Aber wir können drei Restaurants empfehlen, die in jeder Beziehung einen Besuch wert sind:
In diesen Lokalen wird Gastlichkeit groß geschrieben. Der Service ist kompetent und nicht nur freundlich. Die Speisenkarte liest sich nicht nur gut, es schmeckt vor allem wirklich hervorragend. Und zu guter Letzt muss man auch nicht auf eine interessante Weinkarte verzichten. Allerdings, die Namen der Restaurants verraten es bereits, alle drei Restaurants sind der klassischen französischen Küche verpflichtet. Immerhin bedienen sie sich bei den Zutaten regionaler Produkte, wo dies möglich ist.

Der Gipfel des Genusses war der Besuch im ?L´Escalier?. Dieses Restaurant verfügt zudem über einen sehr schönen, geräumigen und geschmackvoll gestalteten ?grünen? Hinterhof.

Sehr gut gegessen haben wir auch im Restaurant ?L´Orage?. Auch hier findet sich ein Hinterhof, der zwar nicht begrünt, dafür aber für regnerische Tage mit einem originellen, herunterfahrbaren Glasdach versehen ist.

Auch gut essen kann man im ?Le Vieux Jean? ? genau gegenüber der Kirche ?Oude Jan?. Ein sehr kleines, romantisches und überaus gemütliches Restaurant.


Und hier der Service mit Adressen und Links:

Übernachtungen und Stadtinformationen:

www.delft.nl


Restaurants:

?L´Escalier?, Oude Delft 125, Delft, Tel 0031 15 21 24 621, www.restaurantlescalier.nl

?L´Orage?, Oude Delft 111b, Delft, Tel 0031 15 21 23 629, www.restaurantlorage.nl

?Le Vieux Jean?, Heilige Geestkerkhof 3, Delft, Tel 0031 15 21 30 433, www.restaurantlevieuxjean.nl


Delfter Porzellan-Manufaktur:

Koninklijke Porceleyne Fles, Rotterdamseweg 196, Delft, http://www.royaldelft.nl/


Leinen:

Sanny de Zoete, Verwersdijk 6, Delft, Tel 0031 15 21 35 520, www.sannydezoete.nl


Museen, die im Text erwähnt wurden:

Museum Het Prinsenhof, Sint Agathplein 1, Delft

Oude Kerk, Heilige Geestkerkhof 25, Delft

Nieuwe Kerk, Markt 80, Delft



Link:
Stadt Delft Informationen
Heute neu: Einkaufsliste
Impressum