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Guru trifft Klassiker: Lecker!

Deutsche Klassiker. 10 Spitzenköche zu Gast. von Wolfram Siebeck

Verehrt und gehasst. Kaum jemanden lässt Wolfram Siebeck emotionslos zurück. Und das ist vielleicht schon seine allergrößte Leistung: In Deutschland mit einer wöchentlichen Kolumne, in der es um Essen und Trinken, ums Kochen und um Restaurants geht, eine wirklich große Zahl von Menschen zu bewegen. Als der Mann anfing zu schreiben, war das Thema in diesen Gefilden keines. Eine ganze Seite im ZEIT-Magazin über Creme fraiche- Absurd - gibt es keine wichtigeren Themen? Nicht wenige Leserinnen und Leser seiner Kolumnen gehören zu einer eingeschworenen Fan-Gemeinde, genauso viele Leserinnen und Leser kritisieren ihn oft ätzend und werfen ihm Hochnäsigkeit vor. Aber alle lesen seine Kolumne. Mehr Einfluss auf die kulinarischen Ansichten der Deutschen war nie!

Siebeck selbst würde dies alles sicherlich mit mehr Gelassenheit kommentieren - auf jeden Fall lässt sich der Mann auch einmal im Jahr von den Spitzenköchen, die er gerne besucht und mal würdigt, mal kritisiert, im eigenen Heim selbst kritisieren. Dann kocht er und leider werden diese denkwürdigen Begebenheiten nicht dokumentiert. Das wäre vielleicht noch mal eine Dokumentation wert.
Was Siebeck aber veröffentlich hat, waren die Ergebnisses der Besuche von zehn Spitzenköchen in seiner Küche. Und diese sternebekränzten Köche haben sich jeweils Deutschen Küchenklassikern gewidmet. Das macht den Reiz dieses etwas ungewöhnlichen Kochbuches aus: Alfred Klink kocht eine Rinderroulade, Michael Hoffmann bereitet Dicke Bohnen zu. Cornelia Poletto treibt´s mal nicht Italienisch sondern wagt sich an Labskaus, während Dieter Kaufmann Rheinischen Sauerbraten auftischt. Oder wie wäre es mit dieser Kombination: Der Tantris-Chefkoch Hans Haas bereitet einen Schweinsbraten mit Butterknödeln zu.

Die Renaissance der Regionalküchen hat in den vergangenen Jahren endlich auch Deutschland erreicht. Und wir kochenden Leserinnen und Leser oder - wie Sie möchten - lesenden Köchinnen und Köche, dürfen uns über immer mehr substantiell gute und interessante Ergebnisse dieser Renaissance freuen. Dieses Buch gehört eindeutig zu den erfreulichsten Ergebnissen und ist nicht nur Siebeck-Freunden oder Siebeck-Hassern wärmstens zu empfehlen.
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